SWD führen neues Wasserpreismodell ein

Das neue Wasserpreismodell sorgt wegen des ausgeglichenen Verhältnisses zwischen Mengen- und Systempreisen für mehr Preisstabilität. Zudem werden die Kosten nun da gedeckt, wo sie auch anfallen.

Aus diesem Grund haben wir einen neuen, fairen und transparenten Wassertarif für Sie entwickelt.

Fragen und Antworten

Zum 01.09.2017 führen Ihre SWD ein neues Tarifsystem für das Wasser ein.
Die häufigsten Fragen und Antworten, haben wir hier für Sie einmal zusammen gefasst.

Was wurde beim neuen Tarifsystem geändert?

Das bisherige Tarifsystem der Stadtwerke Düren bestand aus einem Mengenpreis für das gelieferte Trinkwasser, einem Grundpreis für den Zähler und einen Bereitstellungspreis ab der dritten Wohneinheit bzw. Gewerbeeinheit.

Im neuen Tarifsystem ersetzt der neu eingeführte Systempreis den bisherigen Grundpreis und den  Bereitstellungspreis. Der Mengenpreis bleibt erhalten.

Der neue Systempreis gilt für Wohngebäude und für gewerbliche und anderweitige Objekte (z.B. Landwirtschaft). Bei Wohngebäuden orientiert er sich an der Anzahl der Wohneinheiten (ab der ersten Wohneinheit) und bei nicht für Wohnzwecke genutzte Objekte an der abgenommenen Menge.

Der Wasserzähler ist im Systempreis enthalten.
Die Umstellung wurde so berechnet, dass die Be- und Entlastungen für die Durchschnittskunden in engen Bandbreiten bleiben.

 

 

Warum wurde das Tarifsystem geändert?

Das neue Tarifsystem sorgt wegen des ausgeglichenen Verhältnisses zwischen Mengen- und Systempreisen für mehr Preisstabilität und darüber hinaus für mehr Verursachungsgerechtigkeit. Das bisherige Tarifsystem hatte mit 1,75 Euro je Kubikmeter (zzgl. Umsatzsteuer) einen vergleichsweise hohen Mengenpreis. Dieser wurde jetzt auf 1,426 Euro je Kubikmeter abgesenkt.

Ein hoher Mengenpreis führt erfahrungsgemäß bei Verbrauchern die über Alternativen zur öffentlichen Trinkwasserversorgung verfügen, zum verstärkten Wassersparen. Wegen der bestehenden Kostenstruktur kann der Versorger auf eine rückläufige Nachfrage nur mit höheren Preisen reagieren, um die Erlösrückgänge auszugleichen. Dies wiederum motiviert zum Wassersparen, wodurch die Bildung einer Preisspirale droht, was mit dem neuen Tarifsystem verhindert werden soll.

Ein hoher Mengenpreis benachteiligt zudem solche Kundengruppen, die nicht über Einsparmöglichkeiten verfügen (insbes. Mieter) oder einen hohen Verbrauch nicht vermeiden können (insbes. Familien mit Kindern).

Zudem wurden mit dem bisherigen Tarifsystem nur geringe Kostenanteile der Vorhalteleistungen für das Versorgungssystem mit dem Grundpreis in Rechnung gestellt. Dadurch war die Verursachungsgerechtigkeit der Entgelte nicht gewährleistet.

Wie verteilen sich die Kosten für die Trinkwasserversorgung?

Die Wasserversorgung ist wegen der Wasserwerke und Rohrnetze eine sehr anlagenlastige Branche. Das wirkt sich auch auf die Kostenstruktur aus, weswegen 80 Prozent der Kosten nicht fix d.h. nicht veränderbar sind.

Lediglich 20 Prozent können bei einer geringeren Absatzmenge ebenfalls reduziert werden. 

Wieso wurde die Entgeltstruktur nicht in der Vergangenheit an die Kostenstruktur angepasst?

Ein solcher Schritt wäre sicherlich wünschenswert gewesen, mit dem alten Preismodell aber nicht mehr machbar, weil der Unterschied zwischen dem Mengen- und Grundpreis zu hoch war. Wegen der geringen Zählergrundpreise hätte es bei einer Anhebung auf 50% nicht vertretbare Belastungen für einige Kunden gegeben. Das neue Preismodell bietet die Anpassung an die Kostenstruktur ohne derart starke Verwerfungen. Dadurch sorgt es für mehr Ausgewogenheit zwischen den Kunden.

Warum ist der Anteil der Systempreise nur auf 50% und nicht auf das Niveau der Fixkosten, also 80 Prozent angehoben worden?

Eine Anhebung des Systempreises auf 80 % hätte starke Mehrbelastungen für einige Kundengruppen zur Folge gehabt. Das soll auf jeden Fall vermieden werden. Der Anteil in Höhe von 50% schafft auch eine ausgeglichene Struktur.

Hat die Umstellung auf das neue Tarifsystem Auswirkungen auf die Belieferung der Kunden mit Trinkwasser?

Nein, die Umstellung betrifft nur das Tarifsystem. Insoweit betrifft die Änderung des Tarifsystems nicht die Qualität und die Sicherheit der Versorgungsleistung.

Wirkt sich die Tarifumstellung auf den bisherigen Wasserzähler aus?

Die Tarifumstellung bewirkt keine Änderung der Größe des Zählers. Mit dem Wasserzähler erfolgt weiterhin die Messung des Wasserverbrauchs.

Zahle ich wegen des neuen Tarifssystems künftig mehr?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Im Ergebnis wurde das neue Tarifsystem so ausgewogen gestaltet, dass sich die Entlastungen und die Belastungen in Folge der Umstellung für Haushalte mit Durchschnittsverbräuchen in einer Bandbreite von rund +/-1 € monatlich bewegen.

Muss ich meinen Zählerstand zum Stichtag mitteilen?

Wenn Sie Ihren aktuellen Zählerstand aufgrund der Umstellung hinterlegen möchten, können Sie das ganz einfach per E-Mail, telefonisch oder persönlich bei uns im Kundencenter tun.

Liegt uns kein abgelesener Stand vor, wird der Verbrauch am Stichtag 31.08. programmseitig von uns geschätzt, wobei Ihnen aber selbstverständlich kein Nachteil entsteht.

Was hat der demografische Wandel mit den Wasserpreisen zu tun?

Um alle Bürger mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser zu versorgen, ist eine aufwändige Infrastruktur notwendig. Die Stadtwerke Düren betreiben dafür ein großräumiges System unter anderem bestehend aus zwei Behälteranlagen zur Zwischenspeicherung und rd. 750 Kilometern Leitungsnetz.

Die hohe Anlagenintensität für die Wassergewinnung und -verteilung, führt zu einem Fixkostenanteil von circa 80 Prozent. Diese Kosten fallen unabhängig von der abgegebenen Wassermenge an. Wenn weniger Wasser in Folge des Bevölkerungsrückganges und/oder Wassersparens verbraucht wird, muss das System aber trotzdem in der bestehenden Größenordnung erhalten bleiben. Die Kosten können nicht reduziert werden. Somit werden die Kosten auf eine geringere Wassermenge verteilt, was bei einem hohen Mengenpreisanteil zu steigenden Preisen führen muss.

Erzielen die Stadtwerke Düren mit dem neuen Tarifsystem höhere Gewinne?

Nein, das ist nicht der Fall. Das Tarifsystem ist umsatzneutral, d.h. die Gesamtumsätze werden nicht erhöht. 

Dürfen die Stadtwerke Düren das Tarifsystem für Trinkwasser ändern?

Ja, die „Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser“ (AVBWasserV, Paragraph 4 Absatz 2) begründet das gesetzliche Recht des Wasserversorgungsunternehmens, seine Bedingungen und Preise zu ändern. Dies gilt damit auch für eine Änderung des Tarifsystems.

Es gibt zudem keine gesetzliche Regelung, die die Zusammensetzung des Wasserpreises vorschreibt. Es gibt dagegen mehrere höchstrichterliche Urteile des Bundesgerichtshofes (z.B. AZ VIII ZR 245/15 vom 17. Mai 2017), die den Unternehmen gestatten, ihre Tarife zu gestalten, sofern sie bestimmte Grundsätze beachten. Das ist bei den Stadtwerken Düren der Fall.

Was sagt die Landeskartellbehörde zu der Umstellung des Preissystems?

Grundsätzlich unterstützt die zuständige Landeskartellbehörde NRW derartige Preisumstellungen bei Trinkwasser, um die Wasserversorgung zukunftssicher zu machen.

Die Geschäftsführung der Stadtwerke Düren hat das neue Tarifsystem der Landeskartellbehörde vor der Umstellung vorgestellt. Die zuständige Referentin hat die Umstellung gut geheißen.

Wo erhält man Auskunft bei Fragen (zum Tarifsystem)?

Der Kundenservice beantwortet unter der Telefonnummer 02421/ 126 233 alle Fragen zum neuen Tarifsystem.

Mit einer Mail an kundenservice@stadtwerke-dueren.de können die Fragen auch direkt schriftlich an den Kundenservice gestellt werden.

Ändern sich durch das neue Tarifsystem die Wasserpreise?

Ja, das tun sie. Die "Systempreise" werden im Vergleich zum bisherigen "Grundpreis" und  "Bereitstellungspreis" angehoben. Im Gegenzug werden dafür die Mengenpreise gesenkt. Damit wird die Umstellung insgesamt umsatzneutral durchgeführt, d.h. die Stadtwerke Düren erzielen keine Mehrerlöse durch die Umstellung.

Beispiel für ein Einfamilienhaus:
Verbrauch von 120 m³/Jahr
(Netto Angaben)


bisheriger Grundpreis/Jahr = 110,60 €
zukünftiger Systempreis/Jahr= 151,39 €

bisheriger Mengenpreis = 1,75 €/m³ 
zukünftiger Mengenpreis = 1,426 €/m³

bisheriger Jahrespreis = 320,60 €
zukünftiger Jahrespreis = 322,51 €

Der Einfamilienhausbesitzer zahlt zukünftig 1,91 € mehr im Jahr.

 

Beispiel für ein Mehrfamilienhaus: 
4 Wohneinheiten --> 1 Wohneinheit verbraucht 75 m³/Jahr
(Netto Angaben)


bisheriger Grundpreis/Jahr = 110,60 €
zukünftiger Systempreis/Jahr= 80,16 €

bisheriger Mengenpreis = 1,75 €/m³ 
zukünftiger Mengenpreis = 1,426 €/m³

bisheriger Jahrespreis = 241,85 €
zukünftiger Jahrespreis = 187,11 €

Der Kunde im Mehrfamilienhaus (hier 4 Parteien) zahlt zukünftig 54,74 € weniger im Jahr.


Bitte beachten Sie, dass der Kunde im Einfamilienhaus im Durchschnitt mehr m³ Wasser verbraucht als der Kunde im Mehrfamilienhaus.

Lohnt sich nach der Umstellung noch das Wasser sparen?

Auch in Zukunft lohnt sich das Wasser sparen. Waren es vor der Umstellung 1,75 Euro die man sparen konnte, wenn man 1.000 Liter weniger verbraucht hat, so sind es nach der Umstellung immer noch 1,426 Euro je 1.000 Liter Damit wird das Wasser sparen zwar relativ unvorteilhafter, bleibt aber absolut lohnenswert.

Bei der Ersparnis muss auch noch die Schmutzwassergebühr in Höhe von 2,03 Euro je Kubikmeter Trinkwasserbezug hinzugerechnet werden, die von der Stadt Düren in Rechnung gestellt wird.

Wird das Wasser sparen weniger lohnenswert?

Ja, aber nur im geringen Maße. Der feste Entgeltbestandteil (d.h. der Grund- und Bereitstellungspreis) ist vergleichsweise gering, der Mengenpreis ist dagegen mit 1,75 Euro je Kubikmeter vergleichsweise hoch. Mit der Absenkung des Mengenpreises auf 1,426 Euro je Kubikmeter und der gleichzeitigen Erhöhung des Systempreises, schafft neue Tarifsystem ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den beiden Preisbestandteilen. Damit wird das Wasser-sparen zwar relativ unvorteilhafter, bleibt aber absolut lohnenswert.

Was bedeutet der Begriff „Systempreis“?

Der „Systempreis“ dient der Weiterberechnung der anteiligen Kosten für die Vorhaltung und den Betrieb des Wasserversorgungssystems („Systemkosten“). Der Begriff soll verdeutlichen, worum es bei der Berechnung geht.

Gleichzeitig wird nicht mehr allein der Hausanschluss betrachtet, sondern die hinter einem Hausanschluss liegenden versorgten (Wohn-)Einheiten.

Der Systempreis ersetzt den „Grundpreis“ und den "Bereitstellungspreis" aus dem bisher geltenden Tarifsystem.

Werden Familien mit Kindern durch das neue Tarifsystem benachteiligt?

Nein, denn bei vielen Familien mit Kindern und ihrem höheren Wasserverbrauch wird die Wasserrechnung zukünftig geringer ausfallen. Dies ist dem abgesenkten Mengenpreis zu verdanken, weil ein hoher Wasserverbrauch sich dann nicht mehr in höheren Wasserkosten niederschlägt.

Gilt das neue Tarifsystem für alle Kunden?

Ja, das neue Tarifsystem gilt für alle Kunden im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Düren Es gilt somit für Wohngebäude und Betriebe sowie andere Kundengruppen wie zum Beispiel Landwirtschaftsbetriebe, Ladengeschäfte, Arztpraxen, soziale Einrichtungen, kommunale Einrichtungen und ähnliches.

Werden die Wohngebäude anders als Gewerbebetriebe behandelt?

Ja, die Wohngebäude zahlen einen Systempreis, der sich an der Anzahl der Wohneinheiten orientiert. Bei allen anderen Objekten, also auch Gewerbebetrieben, orientiert sich der Systempreis an der gelieferten Wassermenge.

Müssen Vermieter jetzt ihre Betriebskostenabrechnungen ändern?

Für den Vermieter muss sich wegen des neuen Tarifsystems nichts ändern. Die Berechnungsgrundlage muss nicht geändert werden.

Da die Betriebskostenabrechnung schon bisher Grundpreis-, Bereitstellungspreis- und Mengenpreisbestandteile beinhaltet, ergibt sich durch das neue Tarifsystem grundsätzlich keine Änderung.

Warum wurde der Systempreis auf 50% angesetzt?

Der Systempreis wurde auf 50 Prozent der Gesamterlöse angehoben, um damit einen Kompromiss zwischen Ressourcenschutz und Versorgungssicherheit zu ermöglichen.

Wegen der Kostenstruktur mit 80 Prozent fixen und 20 Prozent variablen Kosten hätte das Verhältnis zwischen Systempreis und Mengenpreis ähnlich sein müssen, dies hätte aber zu einem Ungleichgewicht geführt.

Daher sind 50 Prozent durchaus gerechtfertigt. Der Bundesgerichtshof hat dies in Urteilen aus dem Jahr 2015 und 2017 bestätigt.

Warum gibt es bei dem Systempreis für Wohngebäude die Abstufungen in Abhängigkeit von der Gebäudegröße?

Die Kosten werden durch die gewählten Abstufungen des Systempreises für die unterschiedlichen Wohngebäudegrößen so verteilt, dass die Be- und Entlastungen bei der Tarifumstellung möglichst gering gehalten werden kann. Das hängt mit der Anzahl der Gebäude und den darin festgestellten Durchschnittsverbräuchen im Versorgungsgebiet zusammen.

Bei der Tarifentwicklung wurde darauf geachtet, dass sich für die Durchschnittsverbraucher eine nur möglichst geringe Änderung ergibt. Da sich aber mit zunehmender Wohngebäudegröße gewisse Kostenvorteile ergeben, schlagen sich diese in einem degressiv verlaufendem Systempreis nieder. Bisher galt für den Bereitstellungspreis beginnend bei einem Dreifamilienhaus ein mit zunehmender Gebäudegröße gleichmäßig, d.h. linear, ansteigender Wert.

Degressiv bedeutet, je größer das Gebäude, desto geringer wird der Zuschlag für jede nächst hinzukommende Wohneinheit. Die durchschnittlichen Systempreise je Wohneinheit sinken somit, je größer die Wohngebäude werden.

 

 

Wie setzt sich der Wasserpreis für Wohngebäude zusammen?

Der Tarif für Wohngebäude setzt sich zusammen aus
1. dem Mengenpreis für die abgenommen Wassermenge und
2. dem Systempreis für die Inanspruchnahme der Betriebs- und Vorhalteleistung

Wie wird die Anzahl der Wohneinheiten ermittelt?

Zunächst ist die Anzahl aller in einem Gebäude gelegenen Einheiten, ganz gleich ob Wohneinheiten oder nicht, zu ermitteln. Sodann ist zu ermitteln, wie viele eigenständige Wohnungen (Wohneinheiten) in dem Gebäude gelegen sind, und zwar unabhängig davon, ob bewohnt oder nicht. Einliegerwohnungen gelten als eigenständige Wohnungen (siehe auch ‚Was versteht man unter „Wohneinheit“?’).

Im März 2016 haben wir alle Kunden persönlich angeschrieben und sie gebeten uns mitzuteilen, wie viele Wohneinheiten der angegebene Wasserzähler im Objekt versorgt.

Aus Ihren Angaben haben wir u.a. die Anzahl der Wohneinheiten in dem Gebäude verwendet und ausgewertet. Wenn Sie an dieser Selbstauskunft nicht teilgenommen haben, sind wir u.a. von den bisherigen Daten in unserem System ausgegangen.

Wann gilt der Systempreis für Wohngebäude?

Zunächst ist zu klären, ob es sich bei dem Gebäude um ein Wohngebäude handelt. Dies ist dann der Fall, wenn in dem Haus eine oder mehrere Wohneinheiten enthalten sind und das Haus ausschließlich oder überwiegend für Wohnzwecke genutzt wird.

In diesem Fall gilt der Systempreis für Wohngebäude.

 

 

Wozu wird die genaue Anzahl der Wohneinheiten benötigt?

Ausschlaggebend für den Systempreis ist die Inanspruchnahme des Versorgungssystems. Die Wohngebäudegröße, also die Anzahl der Wohneinheiten, ist als Bemessungsgrundlage für den Systempreis an die Stelle des Wasserzählers getreten.

Ist ein auf Wohneinheiten basierender Wassertarif überhaupt zulässig?

Zahlreiche Versorger nutzen den auf Wohneinheiten basierenden Wassertarif bereits seit Jahrzehnten. Zudem hat der Bundesgerichtshof (BGH) die Zulässigkeit der Wohneinheiten als Bemessungsgrundlage für die Wasserpreise ausdrücklich bestätigt. Der BGH hat am 23. Juni 2015 drei Grundsatzurteile (Az.: VIII ZR 136/14  und VIII ZR 164/14 und VIII ZR 338/14) veröffentlicht. In seinen Entscheidungen stellt der BGH fest, dass der Grundpreis für Wohngrundstücke ohne weitere Unterscheidung allein nach der Anzahl der Wohneinheiten bemessen werden kann. Die Bedeutung der Personenzahl oder der Wohnungsgröße hat er verneint.

In der Rechtsprechung ist der Wohneinheiten-Maßstab ausdrücklich anerkannt. Insbesondere das Oberlandesgericht Sachsen-Anhalt hat mit Urteil vom 13.11.2008 den Wohneinheiten-Maßstab gegenüber den Zähler-Maßstab sogar als den „feineren“, weil zu einer höheren Gebührengerechtigkeit führenden Maßstab bezeichnet. Danach verstößt die Bemessung von Tarifen für Wohngebäude nach der Anzahl der Wohneinheiten nicht gegen das Äquivalenzprinzip, wonach kein Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung bestehen darf.

Die Anzahl der Wohneinheiten trägt als Wahrscheinlichkeitsmaßstab dem unterschiedlichen Umfang der Inanspruchnahme der Vorhalteleistungen hinreichend Rechnung. Denn erfahrungsgemäß ist die Zahl der Personen, die sich üblicherweise auf einem Grundstück aufhalten können, größer ist, je mehr selbständige Haushalte sich in einem Wohngebäude befinden.

Was versteht man unter einer „Wohneinheit“?

Als „Wohneinheit“ gelten zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmte oder genutzte Räume (für Wohnzwecke). Sie liegen in der Regel zusammen, sind nach außen abgeschlossen und dienen der Haushaltsführung. Wohneinheiten haben einen eigenen Eingang. Dieser ist unmittelbar vom Freien, über ein Treppenhaus oder einen sonstigen Vorraum erreichbar.

Wieso wird nicht nach der „Anzahl der Personen“ statt nach „Wohneinheiten“ abgerechnet?

Die Abrechnung nach Personen ist nicht durchführbar. Die Kunden müssten die Anzahl der Bewohner eines Gebäudes und auch die Änderungen laufend mitteilen. Das wäre aus Verwaltungsgründen unmöglich und aus datenschutzrechtlichen Gründen fragwürdig.

Die Rechtsprechung erlaubt, auf eine über die Erfassung der Anzahl der Wohneinheiten hinausgehende Differenzierung z.B. nach der Größe der Wohneinheit oder der Anzahl der Wohnräume zu verzichten, weil es einen allgemeinen Erfahrungssatz, wonach die Anzahl der Bewohner mit der Größe der Wohnung steigt, nicht gibt. (vgl. BGH-Urteil VIII ZR 245/15 vom 17.5.2017, OVG Sachsen-Anhalt, Urt. v. 01.04.2004, 1 K 93/03)

Ob eine Wohnung von bestimmter Größe unter gewöhnlichen Umständen von einer Person, einer Familie oder einem Familienverband bewohnt wird, hängt von den Einkommens- und Vermögensverhältnissen, den Wohngewohnheiten, dem Wohnumfeld und einer Vielzahl von weiteren sozialen, wirtschaftlichen und sozio-kulturellen Bestimmungsfaktoren ab. Diese kann der Wasserversorger natürlich nicht berücksichtigen, insoweit wird die Wohneinheit als gerechtfertigter "Wahrscheinlichkeitsmaßstab" angesehen.

Wie wird bei Neuanschlüssen die „Anzahl Wohneinheiten“ ermittelt?

Bei Neuanschlüssen insbesondere Neubauten, die für Wohnzwecke genutzt werden, macht der Antragsteller im Antrag auf Wasserversorgung in dem dafür vorgesehenen Feld „Anzahl Wohnungen“ eine entsprechende Angabe.

Wird der Systempreis auch für leerstehende Wohnungen fällig?

Ja, der Systempreis ist auch für vorübergehend oder dauerhaft nicht bewohnte Wohneinheiten zu entrichten, denn solange ein Anschluss an die Trinkwasserversorgung besteht, erfolgt auch eine Leistungsvorhaltung für das gesamte Gebäude.

Wichtig: Aus hygienischen Gründen ist zu beachten, dass nicht genutzte Leitungsabschnitte bei Wiederinbetriebnahme gründlich gespült werden müssen. Wenn Leitungsabschnitte bzw. Hausanschlussleitungen länger als ein Jahr nicht genutzt werden, müssen diese kostenpflichtig vom Netz getrennt werden.

Wann wird kein Systempreis für ein teilweise leer stehendes Gebäude fällig?

Ein Leerstand oder teilweiser Leerstand (z.B. einiger Wohnungen) führt grundsätzlich nicht zur Reduzierung des Systempreises. Auch für leer stehende Objekte wird das Versorgungssystem vorgehalten.

Wenn kein Wasser genutzt wird, kann allerdings bei Leerstand ein hygienisches Problem in der Trinkwasserinstallation entstehen. In Folge dessen sollte bei beabsichtigter Inbetriebnahme der Hausinstallation nach längerem Leerstand in jedem Fall intensiv gespült, besser noch ein Sanitärfachbetrieb hinzugezogen werden.

Führt ein Zählerausbau zum Wegfall des Systempreises für ein Wohngebäude?

Nein, denn auch beim Zählerausbau bleibt der Wasserlieferungsvertrag bestehen und der Anschluss des Objektes mit dem öffentlichen Leitungsnetzes verbunden. Die Leistungsvorhaltung bleibt erhalten. Solange die Verbindung nicht getrennt ist, besteht somit die Verpflichtung zur Entrichtung des Systempreises.

Nur wenn eine Trennung des Anschlussobjektes (Gebäude, sonstige Einrichtung oder unbebautes Grundstück) von der Hauptversorgungsleitung erfolgt ist, fällt kein Systempreis mehr an.

Wie kann ich den Systempreis für mein Wohngebäude selbst ermitteln?

Für den Systempreis bei Wohngebäuden ist die Anzahl der Wohneinheiten ausschlaggebend.

Im Preisblatt kann der für die entsprechende Anzahl der Wohneinheiten geltende individuelle Systempreis abgelesen werden.

Wie verändern sich die Kosten, wenn man mehr oder weniger verbraucht?

Ein Einfamilienhaus, mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 101 Kubikmetern jährlich, zahlt heute 287,36 € (zzgl. USt). Zukünftig werden 295,42 € fällig, das sind 0,67 € mehr im Monat.

Wird das Haus nur von einer Person bewohnt, die beispielsweise 44 Kubikmeter verbraucht, dann betragen die Mehrkosten + 2,21 € monatlich.

Andererseits verzeichnet eine dreiköpfige Familie in einem Einfamilienhaus mit einem Verbrauch von 132 Kubikmetern eine monatliche Ersparnis von - 0,17 €.

 

 

 

Welche Wasserkosten fallen in einem 6-Familienhaus mit 435 Kubikmeter Wasserabnahme an?

1) Zunächst ist der Systempreis anhand der Größe des Wohngebäudes, also des 6-Familienhauses, zu bestimmen. Für ein 6-Familienhaus gilt ein Systempreis in Höhe von 457,20 € im Jahr.
2) Schliesslich wird der Mengenpreis i.H.v. 1,426 Euro mit den 435 Kubikmetern multipliziert, daraus ergeben sich 620,31  Euro für die Wasserabnahme (zzgl. Umsatzsteuer). Insgesamt sind damit 1.077,51 Euro zu zahlen.

Im alten Tarifsystem waren es insgesamt 1.059,85 Euro (zzgl. Umsatzsteuer).

Wie wirkt sich die Tarifumstellung auf Haushalte in Mehrfamilienhäusern aus?

Für die Haushalte in Mehrfamilienhäusern kann die Frage nicht auf den Einzelfall bezogen beantwortet werden. Die individuellen Wasserkosten für Haushalte in Mehrfamilienhäusern hängen von den Neben-/Betriebskostenabrechnungen der Vermieter ab.

Beispielhaft sei das an dem 6-Familienhaus erklärt. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 435 Kubikmetern, das sind umgerechnet 72,5 Kubikmeter pro Wohnung, läge die monatliche Entlastung je Wohnung bei – 0,25 €. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die tatsächliche Be- oder Entlastung von der Nebenkostenabrechnungsmethodik des Vermieters abhängt, denn nicht alle Wohngebäude verfügen über Wohnungswasserzähler und werden nach tatsächlichem Verbrauch abgerechnet.

 

 

Wie kann ich als Mieter meine Wasserkosten erfahren?

Mieter sollten sich an Ihren Vermieter wenden. Da Mieter nicht in direkter Vertragsbeziehung mit den Wasserversorgern stehen und der Wasserversorger die individuellen Verbräuche der Mieter nicht kennt, kann dieser keine Auskunft geben.

 

 

 

Wie kann die Anzahl der Wohneinheiten geändert werden, falls diese nicht korrekt ist oder sich ändert?

Stimmt die Gebäudezuordnung nicht mit den tatsächlichen Gegebenheiten überein, können die Daten vom Eigentümer korrigiert werden. Dies muss schriftlich geschehen. Hierzu muss sich der Eigentümer an den Kundenservice wenden und den Änderungswunsch mitteilen.

Dieser Änderungswunsch muss schriftlich erfolgen. Gerne auf dem Postweg, per Fax oder E-Mail an die bekannte Adressen.

Die Angaben werden anschließend überprüft und ggf. korrigiert und angepasst.

Werden die Angaben zu der Anzahl der Wohneinheiten überprüft?

Zunächst einmal liegen die Daten aus der Selbstauskunft vor. Hier hatten die Kunden Gelegenheit, eigene Angaben zu der Anzahl der Wohneinheiten zu machen. Der Versorger muss aus Gründen der Gleichbehandlung sicher stellen, dass die Angaben stimmen und diese stichprobenartig prüfen, das werden die Stadtwerke Düren bei den Zählerwechselungen regelmäßig vornehmen.

 

 

Welche Folgen haben falsche Angaben bei der Anzahl der Wohneinheiten?

Falsche Angaben führen zu einer nachträglichen Korrektur bei der Anzahl der Wohneinheiten. Die Korrektur wird mit Bekanntwerden der Falschangaben vorgenommen. Der Versorger muss sich die angemessene Prüfung vorbehalten.

Vorsorglich muss darauf hingewiesen werden, dass vorsätzliche Falschangaben des Kunden eine Vertragsstrafe nach § 23 Abs. 2 AVBWasserV auslösen können.

 

 

Wo und wann sind in den Wasserversorgungsanträgen die Wohneinheiten anzugeben?

Bei Neuanschlüssen sind die Angaben auf dem Antrag auf Wasserversorgung zu machen.

Wenn es sich bei dem versorgten Objekt um ein Wohngebäude handelt, ist in dem Antragsvordruck zur Wasserversorgung das Feld „Wohnen“ anzukreuzen und im Feld „Anzahl Wohnungen“ die erforderliche Angabe zu machen.

Handelt es sich nicht um ein Wohngebäude, ist auf dem Antragsvordruck das Feld „Gewerbe oder sonstige Objekte“ anzukreuzen. Fehlen diese Angaben, sollte der Antrag zugesandt werden.

 

 

Was passiert, wenn bei der Selbstauskunft keine Angaben gemacht worden sind?

Wie in dem Anschreiben zur Selbstauskunft erläutert, mussten die fehlenden Angaben geschätzt werden.

Sollte dies nicht mit den tatsächlichen Gegebenheiten übereinstimmen, kann der Kunde schriftlich eine Korrektur der Angaben geltend machen. Dazu muss er sich an den Kundenservice wenden. Die entsprechenden Angaben werden stichprobenartig überprüft.

 

 

Was versteht man unter „Gewerbe und sonstige versorgte Einheiten“?

Als „Gewerbe und sonstige versorgte Einheiten“ gelten alle an das Versorgungssystem angeschlossenen und nicht oder nicht überwiegend für Wohnzwecke genutzten Gebäude oder Gebäudeeinheiten (insbesondere Gewerbe, technische Einrichtungen) oder unbebauten Flächen mit einem Anschluss an das öffentliche Trinkwasserversorgungssystem (z.B. unbebaute Grundstücke, landwirtschaftliche Flächen usw.).

Wann gilt der Systempreis für Gewerbe?

Der Systempreis für „Gewerbe und sonstige versorgte Einheiten“ gilt für alle an das Versorgungssystem angeschlossenen und nicht oder nicht überwiegend für Wohnzwecke genutzten Gebäude (insbesondere Gewerbe, technische Einrichtungen). Er gilt auch für Grundstücksflächen (z.B. unbebaute Grundstücke, landwirtschaftliche Flächen usw.), die an der Wasserversorgung angeschlossen sind.

Der Systempreis für „Gewerbe und sonstige versorgte Einheiten“ gilt auch für Einrichtungen, die für Wohn- oder wohnähnliche Zwecke genutzt werden, bei denen aber keine eigenständigen, abgeschlossenen Wohneinheiten bestehen (z.B. Heime, Sanatorien o.ä.) und/oder die nicht zum dauerhaften Aufenthalt bestimmt sind oder genutzt werden (Hotels, Krankenhäuser).

Wie setzt sich der Tarif für Gewerbe und sonstige versorgte Einheiten zusammen?

Der Tarif für Gewerbe (Nicht-Wohngebäude) setzt sich zusammen
a) aus dem Mengenpreis für die abgenommene Wassermenge und
b) dem Systempreis für die Inanspruchnahme der Betriebs- und Vorhalteleistung

 

 

Wie werden die jährlichen Wasserkosten für ein Gewerbeobjekt mit 250 Kubikmetern errechnet?

Die Wasserkosten z. B. für ein versorgtes Werkstattgebäude mit 250 Kubikmetern ergeben sich aus:
1. dem Mengenpreis multipliziert mit der abgenommenen Wassermenge (250 Kubikmeter x 1,426 Euro je Kubikmeter = 356,50 Euro), sowie dem Systempreis gemäß der Allgemeinen Tarife in Abhängigkeit von der Verbrauchsmenge (bei 250 Kubikmetern = Verbrauchsklasse 2 mit einem Systempreis i.H.v. 288,59 Euro).  
Insgesamt zahlt der Kunde damit 645,09 Euro im Jahr (netto).

 

 

Kann zwischen dem Tarif für Wohngebäude und für Gewerbe gewählt werden?

Nein, es ist der jeweils für die Nutzung zugrunde liegende Tarif anzuwenden.

Die Gebäudenutzung wird anhand von festgelegten Beurteilungskriterien eingestuft.

Ist der Tarif für Wohngebäude günstiger als der Tarif für Gewerbe?

Nein, im Grundsatz sind die Tarife für Wohngebäude und Gewerbe und sonstige nicht für Wohnzwecke genutzte Einrichtungen identisch. Dies wird mittels so genannter Wohneinheitengleichwerte sicher gestellt.

Wie kann abgeschätzt werden, ob sich für den Kunden in Folge des neuen Tarifsystems mögliche Kostenveränderungen ergeben?

Es kann mangels konkreter Daten nur eine grobe Abschätzung erfolgen. Im Grundsatz gilt: je höher der Verbrauch, umso stärker die Entlastung in Folge der Einführung des neuen Tarifsystems. Dies ist aber nur ein einmaliger Vorteil.

Wie werden Vereine im neuen Tarifsystem behandelt? Zahlen sie mehr für ihr Wasser?

Zunächst ist zu klären, welcher Systempreis gilt. Da die Einrichtungen von Vereinen nicht (vorrangig) für Wohnzwecke genutzt werden (können/dürfen), sind diese wie gewerbliche und sonstige Objekte zu behandeln. Da aber die Wasserverbräuche der Einrichtungen in der Regel 100 Kubikmeter im Jahr nicht übersteigen werden, wird voraussichtlich derselbe Systempreis wie für ein Wohngebäude mit einer Wohneinheit fällig.